Vorwort

 

Kamin-/Taken- und Ofenplatten gehören zu den Hausratsgegenständen vergangener Zeiten, die nach ihrer ursprünglichen Gebrauchsbestimmung zunächst wegen ihrer vielfältigen Verwendungsfähigkeit nicht entsorgt, oft auch anders genutzt wurden. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden sie dank ihrer Bebilderung beachtet und schließlich ab dem zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts als dekorative Zierstücke oder geschätzte Antiquitäten gesammelt.

 

Auf diesem Weg vom Gebrauchsgegenstand zum Sammelobjekt sind Funktion, Alter, Herkunft und bildliche Aussage dieses gusseisernen Hausrats vielfach in Vergessenheit geraten. Kamin-/Taken- und Ofenplatten rücken als Bildträger unserer Heimatgeschichte zunehmend aus dem Fokus und ihre Funktion und insbesondere auch die unterschiedlichen Darstellungen auf den Platten werden zunehmend irreführend interpretiert.

 

Das heimatkundliche Potential der Kamin-/Taken- und Ofenplatten ist gewaltig. Die ältesten bekannten Platten stammen aus dem späten 15. Jahrhundert - einer Zeit, aus der sich ansonsten aus dem ländlichen Kulturkreis nichts erhalten hat. Die Gussplatten beeindrucken durch ihre einzigartige Fähigkeit, die Kultur,- Kunst- und Technikgeschichte unserer Heimat über einen Zeitraum von über 400 Jahren zu dokumentieren. Sie zeigen die Entwicklung der Verhüttungs- und Gießereitechnik, den Einfluss der verschiedenen Kunstepochen und Bilder, die unsere Vorfahren bewegten. Sie sind ein Spiegel der Geschichte, politischer wie religiöser Veränderungen und Einflüsse. Sie überliefern die bildlichen Vorstellungen der Menschen über biblische Ereignisse, sie waren Bildträger von Wappen unserer Landesherren, Könige und Kaiser und dokumentieren Szenen aus dem Alltagsleben unserer Vorfahren. Sie sind ein "Eisernes Archiv" unserer Heimat.

 

Leider wissen mittlerweile nur noch sehr wenige Menschen unserer "modernen Zeit" von diesen Schätzen, die das Leben unserer Vorfahren über Jahrhunderte begleitet haben. Sie sind "aus der Mode gekommen", veraltet, verstaubt, vermeintlich unattraktiv und zunehmend von den Menschen - auch in unseren Museen - vergessen. 

 

Sollten unsere Kulturgüter nicht für die heutigen wie für die kommenden Generationen bewahrt werden? Vieles verkümmert, wird lexikalisch verschlagwortet (vergoogelt) und in Datenbanken abgelegt.

 

Was ist dem Volk und seinen Vertretern eigentlich Kultur und kulturelles Erbe wert?

Copyright © 2018 Dr. Matthias Kremer

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