Arten und Funktionen der Platten

Kamin-/Taken und Ofenplatten sind gusseiserne Platten, die

  • als Teil eines Kastenofens (Ofenplatten)
  • an der Rückseite eines offenen Kaminfeuers (Kaminplatten)
  • eingelassen in die Mauer zwischen Kaminfeuer und angrenzendem Raum (Takenplatten)

verwendet wurden.

 

Ofenplatten

Ein Kastenofen kann aus 5 gleich hohen aber unterschiedlich breiten Platten: 1 Ofenstirnplatte, 2 gleich breite Ofenseitenplatten und je einer Boden- und Deckplatte bestehen, man spricht von einem Fünfplattenofen (Bilder 1 und 2).

 

Die Stirn- und Seitenplatten sind bebildert, die Boden - und Deckenplatte nicht. Die Seiten-, Deck- und Bodenplatten besitzen einen Mauerrand, mit dem sie in der Mauer zwischen Stube und Küche verankert wurden. Durch diese Wand wurde der Ofen von der Küche aus bedient. In der Regel weisen die Stirnplatten (beidseitig) und Seitenplatten (einseitig) zwei oder drei halbrunde/rechteckige Aussparungen auf, sog. Schraublöcher. Durch sie wurden eiserne Schrauben geführt, die eine halbrunde, meist ornamentierte Eckleiste von außen mit einer ihr innen gegenüberstehenden Leiste verband, so dass der Ofenkasten zusammenhielt.

 

Bild 1: Fünfplattenofen, Stirnplatte: Wappen Königreich Bayern, Seitenplatten: Lebensbaum, (es handelte sich um einen Aufsatzofen, der Aufsatz war aus Keramik, der Aufsatz wurde bei der Beseitigung des Ofens zerstört)

gegossen ab 1816 in St. Ingbert

(Sammlung KREMER, Inv.-Nr. 423)

 

 

Bild 1a: Fünfplattenofen, Seitenplatte: Die Legende des Heiligen Hubertus ("Apostel der Ardennen"), Stirnplatte: Jagdszene, Fourneau Saint-Michael (Hochofen Sankt Michael), ca. 8 km von St. Hubert entfernt, ca. 1771- 1775 (voll-ständiger Ofen), der Ofen stand vorne ursprünglich auf einem beigen Luxemburger Sandstein, der Stein ist noch vorhanden. Zur Vereinfachung der Aufstellung wurde eine Auflage geschmiedet, auf der der Ofen sicher ruht. (Sammlung KREMER, ehemals Sammlung Senger Frankfurt)

 

Bild 1b: Platten eines Fünfplattenofens, Seitenplatten: Flucht aus Ägypten, Stirnplatte: Die Heilige Familie, Fourneau Saint-Michael (Hochofen Sankt Michael), ca. 8 km von St. Hubert entfernt, ca. 1771- 1775 (vollständiger Ofen im Bildarchiv), Sammlung Kremer, 

Bild 1c: Seitenplatten (Heilige Drei Könige) und Stirnplatte (Maria mit dem Kind) eines Ofens aus der Produktion der Hütte Quint (signiert mit dem Schriftzug qVUINTE), um 1860 (Bildarchiv, Eisenhändler in der Südeifel), Es gibt auch Stirnplatten mit dem Motiv der Heiligen Drei Könige, d.h. es gab auch Öfen aus motivgleichen Platten, je nach Bestellerwunsch.

Viele Kastenöfen wurden auch aus motivgleichen Stirn- und Seitenplatten zusammengesetzt:

 linke Ofenseitenplatte                    Ofenstirnplatte                        rechte Ofenseitenplatte                     Ofenbodenplatte

 Sammlung KREMER (Inv.-Nr. 160)             Inv.-Nr. 159                                         Inv.-Nr. 160                                                          Inv.-Nr. 424

 

Bild 2: 2 Seitenplatte, Stirnplatte und Bodenplatte eines motivgleichen Fünfplattenofens (Lot und seine Töchter, Hütte in Eisenschmitt, um 1690)), Bildarchiv

 

Neben den Fünfplattenöfen gab es als Weiterentwicklung auch frei stehende Sechsplattenöfen (2 Seitenplatten, 2 Stirnplatten, jeweils 1 Boden- und Deckenplatte), diese wurden durch eine Feuertür von vorne geladen (Bild 3).

 linke Ofenseitenplatte                                                   Ofenstirnplatte                   rechte Ofenseitenplatte

Sammlung KREMER (Inv.-Nr. 118)                                                   Inv.-Nr. 119                                    Inv.-Nr. 118

 

Bild 3: Gussplatten eines Sechsplattenofens, Wappen Frankreich, Elsässische Hütte oder Südlothringen (Vosges)

 

 

Die Öfen konnten einen Aufsatzofen tragen, der aus Kacheln oder ebenfalls aus gusseisernen Platten zusammengesetzt war, derselbe wirkte dann als Wärmespeicher (Zirkulierkasten) (Bild 4a und b). 

 


                                               Stirnplatte des Aufsatzofens              Seitenplatte des Unterofens

                                               Inv.-Nr. 128   Inv.-Nr. 68

 

Bild 4a: Stirnplatte eines Ofenaufsatzes (links) und rechte Seitenplatte eines  des Aufsatzofens (Wappen Fürstentum Nassau Saarbrücken), Eisenhütte Fischbach (Saarland) 

 


                                                          Bild 4b: Kastenöfen mit Aufsatzofen (Schloss Braunfels)

Kaminplatten

Kaminplatten sind bebilderte Gussplatten, die von der gemauerten Rückwand (Brandmauer) des offenen Kamins die Hitze des Kaminfeuers in den beheizten Raum zurückstrahlen und zugleich das rückseitige Mauerwerk vor zu großer Hitzeeinwirkung schützen.

Die Bildseite ist dabei dem Kaminfeuer zugewandt (Bild 5).

 

 

 

 

 

 

 

Bild 5: Kaminplatte in-situ, Niedaltdorf, Bildarchiv

Die Formen der Kaminplatten waren im Laufe der Jahrhunderte einem Wandel unterzogen (Bild 6). Die frühesten Kaminplatten waren fünfeckig, sie wurden am Ende des 16. Jahrhunderts durch sechseckige Formen abgelöst. Im 17. und 18. Jahrundert überwogen die rechteckigen/quadratischen Formen und die nach oben mit einem Rundbogen abgeschlossene Geometrie. Es folgten Kaminplatten im Stile Louis-quinze.

Ende 15. bis 16. Jh.            16. und 17. Jh                         Louis XIV bis 18. Jh                                Ende Louis XIV           Louis XV

Quelle: Principales formes de taques, In: "La collection de Taques de Cheminees du musee de Reims; Societe d´agriculture, commerce, sciences et art de la Marne"

 

Bild 6: Änderung der Kaminplattenform im Laufe der Jahrhunderte (die fünfeckigen Formen traten bevorzugt im Barrois (Bar-le-Duc) und den westlich angrenzenden Gebieten auf, sidn aber ach vereinzelt aus der Province de Luxembourg bekannt)

 

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Takenplatten

Takenplatten sind bebilderte Gussplatten, die in eine Öffnung in der Brandmauer zwischen der offenen Herdstelle in der Küche und der angrenzenden Wohnstube eingelassen sind, um die vom Herdfeuer erzeugte Wärme in die angrenzende Stube abzustrahlen. Die Bildseite der Takenplatte zeigt dabei zur Stube, die schmucklose Plattenrückseite bleibt hinter dem Küchenfeuer sichtbar. Die bebilderte Plattenseite war häufig mit einem Schrank überbaut (Takenschrank), dessen unterer Teil durchbrochen war, damit die Warmluft in das Zimmer gelangen konnte (Bild 7).

 

Das Phänomen der Takenheizung ist auf einen eng begrenzten geografischen Rahmen beschränkt. Takenplatten wurden nur in Eisenhütten Ost-Belgiens, Lothringens, Luxemburgs, der Eifel, des Hunsrücks und des heutigen Saarlandes hergestellt. Die Etymologie des Wortes "Taken" ist biskang noch nicht eindeutig geklärt.vermutlich stammt der Begriff jedoch von einer Stubennische, die in der Eifel allgemein "Tak(en)" genannt

Bild 7: Takenschrank*

 

wurde. Diese auch in Luxemburg, der Wallonie und in Lothringen geläufige Bezeichnung ging später anscheinend auf die behaglich warme Nische der wirtschaftlichen Zweiraumheizung über und wurde schließlich allein für deren gusseiserne Heizplatte (frz. la taque) gebräuchlich.Im moselfränkischen Raum werden Herdgussplatten noch heute ohne Unterschied generell als "Takenplatten" bezeichnet (auch im Spanischen "taca", sowohl für einen kleinen Wandschrank, als auch für die Gussplatte).

 

Anders als Kaminplatten haben Takenplatten manchmal  einen beidseitigen Mauerrand (häufig bei Platten aus der Südeifel und dem Saarland, weniger in den westlicher gelegenen Regionen) , der zur Befestigung der Platten im Mauerwerk diente (Bild 8). Kamin- und Takenplatten unterscheiden sich auch darin, dass bei Kaminplatten die Bildseite, bei Takenplatten die Rückseite vom Feuer verbrannt ist.

 

Die Form der Takenplatten ist stets rechteckig oder quadratisch.

 

 

Quelle*:

Takenschrank offen, Schematazeichnung aus Driesch 1990 (Abb. 36b)

 

 

 

Platten aus saarländischen/südeifler Hütten mit Mauerrand als Takenplatten gegossen:

 

Takenplatte "Pax", Saarland, dat. 1738   Takenplatte "Madonna als Himmelskönigin       Takenplatte "Allianzwappen Lo                                                                         Quinte, um 1700                                                 Orleans", Neunkirchen, um 1700

Sammlung KREMER, Inv.-Nr. 333                               Sammlung KREMER, Inv.-Nr. 130                                          Sammlung KREMER, Inv.-Nr. 92

Bild 8:  Takenplatten mit Mauerrand                                                                                                                                                                               

Neuauflage der Gussplattenproduktion

Neuauflage in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die "alten" Modeln wurde zur Wiederaufnahme der Produktion von Kaminplatten benutzt. Signifikante Entwicklung in der Formstoffqualität verursachten sprunghafte Verbesserung der Bildsamkeit..... Diese Neuauflagen dürften eher selten sein, da die Kamine im 19. Jahrhundert immer weniger als Heizquelle benutzt wurden.

Beispiel Hayange: Neuauflage mit Serie im Jahr 1866

 

to be continued

 

 


Kaminplatte: "Füllhörner", Hayange, um 1750                                           Kaminplatte: "Füllhörner, Hayange, dat. 1866

Bildarchiv                                                                                                            Sammlung KREMER, Inv.Nr. 351


Kaminplatte: ""Paeton auf dem Sonnenwagen", Hayange,                        Kaminplatte: ""Phaeton auf dem Sonnenwagen", Hayange,   um 1750                                                                                                               dat. 1866

Sammlung KREMER INV.-Nr. 302                                                                                            Bildarchiv      



1 Gilt für Lieferungen in folgendes Land: Deutschland. Lieferzeiten für andere Länder und Informationen zur Berechnung des Liefertermins siehe hier: Liefer- und Zahlungsbedingungen
2 Der Verkauf der Exponate erfolgt aus einer Sammlung heraus, die vor 1950 erstellt wurde